Risiko Baustelle – Unterschätze Gefahren und Maßnahmen zur Risikoverbesserung.
Mit der Projektrealisierung werden hohe Anforderungen an das Risikomanagement gestellt. Die Gefahren und Risiken für das zu erstellende Bauwerk, die auf der Baustelle befindlichen Anlagen und Einrichtungen sowie den Baubetrieb und die termingerechte Fertigstellung sind dabei vielfältig. In unserem heutigen Beitrag möchten wir auf genau dieses Thema mit dem Schwerpunkt auf den Brandschutz eingehen, die Hintergründe und die Relevanz eines solchen Konzepts besprechen und Impulse für mögliche Lösungsansätze geben. Dies immer unter Verweis auf die ggf. individuell vereinbarten versicherungstechnischen Anforderungen der Risikoträger.
Baustellen weisen aufgrund der Tatsache, dass es sich um Provisorien handelt, besondere Bedingungen auf. Gerade im Hinblick auf den Brandschutz. Durch die Handhabe, dass das Lagern und das Verarbeiten von Materialien durch unterschiedliche Gewerke erfolgt, welche ineinander eingreifen, wird das Gefahrenpotenzial erhöht. Beispielhaft zu nennen sind hier die Verarbeitung von leicht entzündlichen Baustoffen, die erhöhten Brandgefahren, welche durch Heißarbeiten wie z.B. Schweißarbeiten entstehen, oder Risiken im Zusammenhang mit Kanalarbeiten, wenn bspw. eine Gasleitung oder ein Elektrokabel beschädigt wird.
Auch gehört es zum Wesen von Baustellen, dass sich der Baufortschritt nahezu täglich verändert, es keinen Regelbetrieb gibt und sich dadurch das Risiko permanent verändert.
Besonders problematisch sind dabei Baustellen kurz vor ihrer Fertigstellung, denn in dieser Phase sind die Sachwerte hoch, es besteht in der Regel Zeitdruck und besonders viele Gewerke finden sich gleichzeitig auf der Baustelle ein. Dabei sind allerdings Branderkennungs- und Löscheinrichtungen noch nicht aktiv und ein Schadenfeuer somit schwer kontrollierbar.
Baustellen sind juristisch betrachtet Arbeitsstätten und müssen den allgemeinen branchenspezifischen Vorschriften, auch im Hinblick auf den Brandschutz, genügen. Die Verantwortung liegt hier in erster Linie bei den Bauherren selbst, die aber in der Regel einen Bauleiter, bzw. dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator (SiGeKo) mit dem Brandschutz, bzw. der allgemeinen Baustellensicherheit beauftragen.
Neben einem entsprechend risikogerechten Versicherungskonzept ist ein Schutzkonzept für die Baustelle grundsätzlich zu empfehlen. Teilweise wird dieses auch, in unterschiedlichem Umfang, durch die Risikoträger gefordert. Dieses Konzept sollte entsprechende Schutzmaßnahmen gegen baustellentypische Gefahren, wie eine Regelung zum Umgang mit feuergefährlichen Arbeiten, Bereitstellung von Löschmitteln und Brandwache, Sicherungsmaßnahmen gegen Diebstahl etc. berücksichtigen.
Hierbei ist besonders zu empfehlen, dass folgende Punkte Berücksichtigung finden:
- Benennung der Verantwortlichen auf der Baustelle und darüber hinaus
- Vorlage eines Notfallplans
- Festlegung der tätlichen Baustellenkontrolle inkl. Dokumentation
- Behelfsgebäude wie Baubüros, Aufenthaltsräume, Bauunterkünfte, Materiallager und Baracken aus nichtbrennbaren oder mindestens schwerentflammbaren Baustoffen bestehen sollen
- In ausreichender Anzahl und Qualität Flucht- und Rettungswege vorgehalten sind
- Brandabschnitte im Lagerbereich mit ausreichendem Abstand bestehen
- Ein generelles Rauchverbot erlassen wird und entsprechende Raucherzonen mit selbstlöschenden Aschenbechern ausgestattet sind
- Die Lagerung von brennbare Baustellenabfällen, brennbaren Flüssigkeiten sowie brand- und explosionsgefährdeten Stoffen nicht in und auf Gebäuden, sondern in mindestens fünf Meter Abstand zu Gebäuden oder Anlagen erfolgt
- Leichtentzündbare Stoffe in Behelfsbauten entsprechend gekennzeichnet sind
- Anforderungen zu Ordnung und Sauberkeit eingehalten werden und entsprechende Aufräum-Zyklen festgelegt werden
- Nottelefone entsprechend sichtbar angeordnet werden
- Ausreichend Handlöschgeräte gut gekennzeichnet und zugänglich vorgehalten werden
- Eine Regelung zu feuergefährlichen Arbeiten umgesetzt wird
- Eine Einfriedung der Gesamtanalage mit einem min. 2 Meter hohen Bauzaun mit 24/7 Baustellenüberwachung erfolgt
- Tag und Nacht Überwachung mit Personenanalyse, einen Livestream über Mobilfunknetz in die angeschlossene Alarmzentrale und fachmännischer Auswertung 24/7 gewährleistet ist
- Die Alarmanlage aufgeschaltet ist und über ein Lautsprechersystem mit entsprechend ausreichender db-Zahl verfügt
- Die Baustelle ausreichend ausgeleuchtet wird
- Der Zugang mit einem Kartensystem reguliert und kontrolliert wird
- Der Schutz vor Oberflächenwasser aus Starkregenereignissen entsprechend gewährleistet ist, etc.
Die Dokumentation dieser Maßnahmen erfolgt über ein Baustelleneinrichtungsplan, welcher entsprechend individuell je nach Baustelle angepasst werden kann.
Auch muss sichergestellt sein, dass eine Unterweisung in das Schutzkonzept erfolgt.
Im Rahmen unserer Tätigkeit unterstützen wir unsere Kunden bei der Abstimmung entsprechender Risikomagement-Maßnahmen, welche auch Einfluss auf die Wirksamkeit des Versicherungsschutzes haben.